Stooszyt

"Oh Boy!" Männlichkeit im Wandel

Fast jeder dritte Mann in der Schweiz hat ein problematisches Bild von Männlichkeit. Zudem finden rund die Hälfte aller jungen Männer, dass die "echte Männlichkeit" zunehmend verdrängt werde, zeigt eine Studie der Universität Zürich.

Was ist männlich? Wie verhält man sich als Mann in der Gesellschaft? Diese Fragen stehen seit Langem im Raum, doch sind jetzt aktueller denn je. In der Schweiz gibt es neu seit Anfang 2026 die Fachstelle OHBOY*, die geschlechterreflektiert mit Jungs arbeitet. 

Der Co-Leiter Michael Koger erklärt, was die Fachstelle OHBOY* anbietet. Neben Workshops an Schulen und Bildungsangeboten für Fachpersonen bieten sie auch direkte Beratung an. Die Fachstelle habe es gebraucht, da es in der Schweiz bisher kein ähnliches Angebot gab. Man habe die Jungs im Bereich der Sozialen Arbeit oft vergessen. Die Erwartungen an junge Männer seien komplexer geworden. Auf der einen Seite soll man als Mann immer noch wie früher traditionell, stark und dominant sein – auf der anderen Seite wird aber auch Empathie, Teamgeist und Fürsorge erwartet. 

Manosphere und "die Alpha Influencer, wo mer mittlerwiile kenned"

Das Internet und vor allem Social Media trage viel zu diesen toxischen Männlichkeitsbildern bei. Junge Männer suchen nach Orientierung und bekommen diese im echten Leben oft nicht – darum suchen sie die Antworten auf ihre Fragen online. Im Internet existiert seit längerem die "Manosphere", ein Netzwerk, welches frauenfeindliche und hypermaskuline Weltbilder verbreitet. Wenn man jemanden kennt, der diese Art von Kontent schaut, oder sich sonst toxisch männlich verhält, sollte man nachfragen. Michael Koger sagt, man solle sich auf keinen Fall abwenden oder gar den Kontakt abbrechen, sondern zuhören und nachhaken. 

"Die Ritterrüstung ablegen"

So gehen auch die Fachpersonen bei OHBOY* vor. Sie versuchen, mit den jungen Männern über ihre Gefühle und Ängste zu reden. Michael Koger sagt selbst, in den wenigen Stunden, in denen er in Kontakt mit den Jungs in Kontakt steht, wird er kaum ihre Welt verändern können. Doch er kann einen Raum schaffen, in dem Unsicherheit Platz hat und Fragen erlaubt sind. Was er jungen Männern gerne auf den Weg geben würde, ist: "Männlichkeit ist wie eine Ritterrüstung; man kann damit Spass haben - aber man muss auch lernen, sie abzulegen."

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