Jede sechste Person in der Schweiz ist arm oder von Armut bedroht
Die Schweiz gehört zu den reichsten Ländern der Welt, trotzdem ist laut der Caritas Schweiz, Eine von sechs Personen von Armut betroffen. Weltweit können über eine Milliarde Menschen ihre Grunbedürfnisse nicht decken.
Zum 125 jährigen Jubiläum der Caritas Schweiz, hat sie in Luzern die Ausstellung "Ungleich verteilt" ins Leben gerufen. Wir haben die Ausstellung besucht und konnten mit Herr Stefan Gribi sprechen, er ist der Verantwortliche für die politische Kommunikation bei Caritas.
Armut ist meist näher als man denkt. Darauf möchte die Caritas mit der Ausstellung aufmerksam machen. Fakten, Geschichten und Simulationen schaffen Raum für Austausch und neue Perspektiven und zeigen so, wie Armut in der Schweiz aussieht.
Armut kann anders aussehen als in Haiti oder im Südsudan
Armut zeigt sich in der Schweiz anders, als in bekannten "Entwicklungsländern" erzählt uns Stefan Gribi. Viele Menschen können von ihrem Lohn kaum Leben - manche arbeiten trotz Schmerzen oder Krankheit im Stundenlohn weiter, weil sie sich keinen Ausfall leisten können. Arme Menschen gehen weniger oft zum Arzt und jede vierte Person in finanziell schwieriger Lage zeigt Symptome einer Depression, schreibt "work," die Zeitung der UNIA. Ein zentraler Punkt sei vorallem die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, erzählt uns Stefan Gribi. Armutsbetroffene seien häufiger einsam und hätten weniger soziale Kontakte, denn das Budget lasse es nicht zu.
Zudem gilt Armut in der leistungsorientierten Schweiz oft als selbstverschuldet, was Scham auslösen kann und dazu führt, das sich Betroffene noch weiter zurückziehen. Dennoch seien die meisten Schweizer*innen über die Armut in der Gesellschaft informiert, erklärt uns Stefan Gribi. Doch warum sollte man dem Thema denn jetzt Aufmerksamkeit schenken? Die Ausstellung hat auch eine gewisse politische Dimension.
"Es nützt eigentlich viel meh, wenn mer ade politische Rahmebedingige öppis cha verändere, als wenn mer eifach einzelni Lüüt direkt tuet unterstütze" - Stefan Gribi
Damit wird klar, das die Armutsbekämpfung auch politisch sein soll oder muss.
Die Ausstellung beinhaltet interaktive Teile, bei denen man an Computern eine Art "Spiel" spielen kann: Man hat ein tiefes Einkommen und mus dieses strategisch so einsetzen, das man am Ende des Monats noch genug hat. Ein anderes Spiel zeigt symbolisch, welche Türen einem offen stehen - je nach Familiensituation.Der interaktive Teil an den Computern half mir, mich in die Situation hinein zu versetzen. Man erlebt sozusagen selbst, wie schwierig es ist aus der Armut herauszukommen - wenn ein einziger Zahnarztbesuch reicht, um einen zurück zu werfen.
Schlussendlich geht es darum, dass die Besucher*innen die Dimensionen der Armut verstehen. Es handelt sich nicht nur um eine Geldfrage sondern auch um die Gesundheit, um Chancen und um soziale Kontakte - schlussendlich möchten man mit die Menschen mithilfe der Ausstellung auch zum handeln motivieren.