Stooszyt

Der Krieg in Bildern - Ukrainian Photo Diary

Der Krieg in der Ukraine sieht man oft in den Nachrichten: zerstörte Häuser, Soldaten oder Bilder von der Front. Das "ukrainische Fototagebuch" zeigt eine neue Perspektive. 

Seit dem russischen Angriff im Februar 2022 sammelt das schweizerisch-ukrainische Projekt Fotos, Videos und Zeichnungen aus dem Alltag der Menschen in der Ukraine. Mitmachen können professionelle Fotograf*innen aber auch Amateure oder Kinder und Schulen. So ensteht ein Archiv, das zeigt, wie sich der Alltag durch den Krieg verändert hat.

Patrick Lüthy, der Verantwortliche des ukrainischen Fototagebuchs hat uns durch die Ausstellung geführt, und uns mehr über die Idee hinter dem Projekt erzählt. Er ist selbst Fotograf und hat zu Beginn des Krieges die Hilfsaktionen in der Schweiz für die Presse dokumentiert. Er erzählte uns, das er mehr tun wollte, um zu helfen. Zusammen mit einem Freund fuhren sie Hilfsgüter mit einem Bus in die Ukraine und nahmen auf dem Rückweg Menschen mit, die die Ukraine verlassen wollten. Nach einer Weile wurde es aber illegal, als Privatperson einfach Menschen aus der Ukraine zu fahren, also musste er sich etwas anderes überlegen. So kam er auf die Idee ein Fotoarchiv zu erstellen. Mit Hilfe aus der Ukraine konnte er das Archiv auch auf ukrainisch übersetzen lassen. 

Die Uhr des Krieges

Patrick Lüthys Kollegin aus Odessa in der Ukraine, kam auf die Idee, die Bilder aus dem Archiv auszustellen. Die Ausstellung "Uhr des Krieges" besteht aus 12 Themen, die beschreiben, was im Krieg alles verloren geht. Zu jedem Thema gibt es zwei grosse Collagen mit ausgewählten Bildern aus dem ukrainischen Fototagebuch. Die ersten beiden Collagen behandeln den Verlust geliebter Menschen. Man sieht Bilder von weinenden Frauen über einen Sarg gebeugt, oder von Soldatengräbern. Der Verlust der Heimat ist das zweite Thema - zerstörte Häuser, kapputte Vorgärten und eingestürzte Gebäude sieht man auf den zweiten Collagen im Raum. Jedes Bild erzählt eine Geschichte - und Patrick Lüthy erzählt sie uns. 

Wir sehen uns die Collagen zu den Themen Verlust der Kinder und Verlust der Tiere vorbei. Museumsangestellte, die die Gemälde jeden Abend in den Keller verstauen, um sie vor Bomben zu schüzen, sieht man auf der Collage zum Verlust der Kultur. Ganze Schulklassen werden in Luftschutzbunkern unterrichtet, andere haben seit Beginn des Kriegs nur Online-Unterricht, erzählt uns Patrick Lüthy, als wir bei der Collage Verlust der Bildung vorbeilaufen. In den Collagen zum Verlust von Orten, sieht man, wie sich das Stadtbild verändert - grosse Plakate, die für die Mobilisierung werben, Panzer auf dem Hauptplatz und Minenwarnungen am Strand. Auch die Berufe der Menschen verändern sich. Man sieht Bilder von Menschen, die Tarnnetze knüpfen oder Sandsäcke abfüllen. Die Ausstellung wird beendet von den zwei letzten Collagen zm Thema "Verlust von Land." 

6000 Bilder aus dem Krieg

Insgesamt sind über 6000 Bilder im virtuellen Fotoarchiv. Patrick Lüthy kontrolliert alle selber, denn Bilder, die die Menschenwürde verletzen, nimmt er nicht ins Archiv auf. Er verdient nichts am ukrainischen Fototagebuch, vieles finanziert er selber. Mit den Bildern und den Ausstellungen will das Projekt die persönlichen Folgen des Kriegs sichtbar machen - und gleichzeitig Spenden für betroffene Menschen in der Ukraine sammeln. Das ukrainische Fototagebuch will den Krieg also nicht nur über die grossen Ereignisse dokumentieren, sondern vor allem über den Alltag der Menschen, die mit dem Krieg leben müssen. 

Die Ausstellung "Die Uhr des Krieges" ist noch bis am 18. Oktober in Zug im KunstCluster physisch ausgestellt, man kann aber jederzeit über die Webseite ins online Tagebuch und sich alle Bilder ansehen. 

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