Stooszyt

Soziale Medien können nicht ohne Ragebait :'(

Am 10. Oktober wurde das deutsche Jugendwort 2026 gekürt. Der englische Begriff „Ragebait“ hat es an die erste Stelle geschafft. Der Begriff wird umfassend genutzt, bezieht sich aber oft auf Inhalte in den sozialen Medien. Diese zielen es konkret an, die User*innen wütend zu machen, um so mehr Clicks zu generieren. Tatsächlich funktioniert das auch. Content, der wütend macht, geht oftmals viral. Warum das so ist, erklärt Markus Unternährer. Er ist Oberassistent im Fach Soziologie an der Universität Luzern und betreibt unter anderem Forschung im Bereich der sozialen Medien.

Ragebait-Content zeichnet sich dadurch aus, dass er emotionale Reaktionen, genauer gesagt Wut, hervorrufen soll. User*innen sollen beim Schauen das Bedürfnis haben, etwas richtigstellen zu wollen. Dafür sind die Videos oftmals polarisierend im politischen Sinne oder aber sie stellen Behauptungen auf, die gegen weitgehend akzeptierte Normen und den Common Sense verstossen. Markus Unternährer erklärt, dass Creator*innen genau wissen, dass solche Inhalte viele Interaktionen in Form von Likes, Kommentaren und Teilen erhalten. Das ist der Schlüssel dafür, dass ein Video viral geht. 

Inhaltlich orientieren sich viele an Bubbles im Internet, so Unternährer. Das heisst, in den Videos werden Dinge gesagt oder getan, die bei Leuten in einer bestimmten Bubble einen besonderen Nerv treffen. Creator*innen nutzen teilweise auch Behauptungen aus Bubbles, zu denen sie nicht dazugehören. So wird schnell eine Kontroverse geschaffen, die es im Netz weit schafft.

"Im Zeitalter des Internets wurde immer mit Wut geködert."

Zwar ist „Ragebait“ das Jugendwort 2026, doch ein neues Phänomen sei es nicht. Markus Unternährer ordnet klar ein, dass im Internet schon immer auf starke Emotionen wie Wut abgezielt wurde. Er verbindet damit auch den schon länger bestehenden Begriff Clickbait. Bei diesem geht es darum, dass Schlagzeilen bewusst lockend formuliert werden. Beim Lesen werden wichtige Details verwehrt oder eine Behauptung wird aufgestellt, die plakativ wirkt. Dabei soll nicht nur Wut, sondern auch Neugierde entstehen. Das Phänomen Ragebait verbindet Markus Unternährer mit dem Begriff des Trollings. Sogenannten Internet-Trollen geht es darum, mit Kommentaren oder Ähnlichem ihr virtuelles Gegenüber wütend zu machen. Für diesen Zweck greifen sie teilweise zu unschönen Mitteln. Fest steht also, dass wütendmachende Inhalte schon immer ein Teil des Internets waren und es wohl auch noch lange bleiben werden. Nur haben wir heute eine Bezeichnung dafür: Ragebait. 

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