Von romantischen Chansons mit orchestraler Begleitung bis zu avantgardistischen Synthklängen: In der heutigen Ausgabe des Intravinyl widmen wir uns ukrainischen Musikerinnen aus der Sowjetzeit. Unter der sowjetischen Herrschaft war Musik einer starken Zensur unterworfen. Staatskritische Musiker*innen oder solche, denen staatskritische Haltungen vorgeworfen wurden, mussten ständig fürchten, verhaftet zu werden. Auch in der Ukraine fand ein grosser Teil des musikalischen Schaffens deshalb im Untergrund statt. Das Label Shukai fokussiert sich auf in Vergessenheit geratene Klänge aus der Ukrainischen SSR. Sie wollen das kulturelle Erbe des Landes bewahren – in einer Zeit, in der nicht nur die staatliche Integrität der Ukraine bedroht ist. Weitere Einblicke in den Katalog von Shukai findest du in der gesamten Sendung:
Valentina Goncharova
Ihre Klänge lassen sich direkt in die westliche Tradition des Ambient und New Age einordnen. Nur ist Valentina Goncharova auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs aktiv. 1953 in Kyjiw geboren, studiert sie später klassische Violine und zeitgenössische Komposition in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. In den 70ern wird sie zu einer wichtigen Stimme in der ukrainischen Underground-Szene. Mit einer elektrischen Geige, gebaut von ihrem Mann, dem Ingenieur Igor Zubkov, schafft sie meditative Klanglandschaften, die irgendwo ausserhalb des Zeit-Raum-Kontinuums zu existieren scheinen. In Tallinn, der Hauptstadt Estlands, entstehen intime, persönliche DIY-Aufnahmen – verletzlich und träumerisch zugleich.
Weisser Tod
Svitlana Nianio wächst in einer ukrainisch-katholischen Familie auf. Geprägt von liturgischen Kirchengesängen und Traditionen der ukrainischen Volksmusik, verwebt sie Ende der 80er-Jahre diese Einflüsse in die Lieder ihrer Band Cukor Bila Smert’ (dt. Zucker Weisser Tod). Die Band, bestehend aus Mitstudierenden Nianios an einer Kyjiwer Musikschule, wird zu einer wichtigen Stimme der ukrainischen Avantgarde. Der Klang ist geisterhaft und erinnert ein wenig an den Soundtrack eines David-Lynch-Films. Cukor Bila Smert’ gilt als Wegbereiterin des ukrainischen Folk-Goth, der später von Künstlerinnen wie Ihor Tsymbrovsky weitergeführt wird. Nach der Auflösung der Band startet Svitlana Nianio eine Solokarriere, bis sie nach der Jahrtausendwende allmählich aus dem Rampenlicht verschwindet. Ende der 2010er wird ihre Musik jedoch von jungen Musikliebhabenden aus der ganzen Welt wiederentdeckt, und Svitlana Nianio entscheidet sich, wieder aufzutreten.
Playlist
Kobza - Bunny
Vodohrai - Remembrance
Victor Vlasov - Intro
Victor Vlasov - Why
Victor Vlasov - Lonely Bird (Nora and Klimenko Dance)
Volodymyr Bystriakov - Alice Theme I
Volodymyr Bystriakov - The Black Queen Theme I
Volodymyr Bystriakov - Alice Theme III
Volodymyr Bystriakov - Intro Theme
Volodymyr Bystriakov - Title Theme
Volodymyr Bystriakov - Battle Theme I
Valentina Goncharova - Reincarnation II
Ingblazh - Transference
Oleksandr Yurchenko - Intro
Oleksandr Yurchenko - Merta Zara #3
Svitlana Nianio - Episode I
Svitlana Nianio - Episode III
Cukor Bila Smert' - The Great Hen-Yuan’ River - Remastered, 2024
Cukor Bila Smert' - Procesija Mertwych (Dead Ceremony) - Remastered, 2024
Shapoval Sextet - Oh, Get Ready, Cossack, There Will Be a March
Ihor Tsymbrovsky - Beatrice
Kyrylo Stetsenko - Play, the Violin, Play
Krok - Breath of Night Kyiv
Kyrylo Stetsenko - Oh, how, how?