Wenn die Toten wieder aus ihren Gräbern steigen, die Strassen von gespenstischen Wesen gefüllt sind und du dich zu Hause vor der grossen Heimsuchung fürchtest, merkst du: Die Zeit ist reif für das grosse Halloween-Special im Intravinyl. Dieses Jahr führt uns die Suche nach dem Unheimlichen in die amerikanische Hauptstadt des Teufels: Memphis. Dort schaffen junge Künstler*innen ihre völlig eigene Hip-Hop-Vision, geprägt von düsteren Klanglandschaften und brutalen Texten, vollgespickt mit Horrorfilmreferenzen und Anspielungen auf die Gewalt in den Strassen Memphis’.
Devil’s Capital
Schon der Delta-Blues von Künstler*innen wie Robert Johnson verarbeitete Anfang des 20. Jahrhunderts Themen wie den Verkauf der eigenen Seele an den Teufel oder das Gefühl, von Höllenhunden verfolgt zu werden. Thematisch lässt sich auch eine Verbindung zum literarischen Genre des Southern Gothic herstellen: Bücher, die sich mit grotesken Figuren, dem Verfall von ländlichen Gemeinschaften, dem Nachhall der Sklaverei und der Armut in den amerikanischen Südstaaten auseinandersetzen. Ziel ist es, die dunkle Kehrseite des amerikanischen Südens offenzulegen. Ähnlich zeichnen auch die Vertreter*innen des Memphis-Rap ein düsteres Bild ihrer Umgebung: unheimlich knisternde Lo-Fi-Beats und Samples aus Horrorfilmsoundtracks treffen auf eindringliche Beschreibungen eines Ortes, der von Gewalt und spiritueller Unruhe geprägt ist.
Kasettli aus der Hölle
Die Lyrics im Memphis-Rap werden von vielen Musikkritikerinnen als eine Art der Realitätsbewältigung gedeutet. Memphis wird Ende der 80er-Jahre durch die Wirtschafts- und Drogenpolitik Ronald Reagans zunehmend zu einem Ort, in dem Arbeitslosigkeit und Kriminalität den Alltag bestimmen. Rivalisierende Gangs liefern sich täglich Strassenschlachten, während immer mehr Menschen durch die Deindustrialisierung der Stadt in die Armut rutschen. Zu den frühen Pionier"innen des Genres gehören auch wegweisende Künstler"innen im frühen Teenie-Alter. Für sie bietet die Musik ein Ventil, aber auch eine Art Flucht vor dem von Gewalt geprägten Alltag. Die Mitglieder von Three 6 Mafia waren bei der Gründung der Crew gerade einmal zwischen 11 und 15 Jahre alt. Ihre Musik produzieren sie in ihren Schlafzimmern und verkaufen sie gleich selbst als Kassettli auf der Strasse. Heute sind die Tapes des Memphis-Raps beliebte Sammlerinnenobjekte.
Playlist
Kingpin Skinny Pimp - I Don't Lov'em (feat. Gangsta Boo & Koopsta Knicca)
DJ Paul - Glock In My Draws
Three 6 Mafia - Walk Up 2 Yo House
Three 6 Mafia - Ridin' N' Da Chevy
Three 6 Mafia - Playa Hataz
Three 6 Mafia - Live By Yo Rep
Three 6 Mafia - Gotta Touch 'Em - (Pt. 2)
Three 6 Mafia - Throw Yo Sets In Da Air
Koopsta Knicca - Torture Chamber
Koopsta Knicca - Stash Pot
Koopsta Knicca - Ready 2 Ride
Kingpin Skinny Pimp - Nobody Crosses Me
Kingpin Skinny Pimp - Y'all Ain't No Killaz (feat. Gangsta Blac & Lord Infamous)
Kingpin Skinny Pimp - Lookin' for da Chewin'
La Chat - I Don't Trust Dem Boys
La Chat - You Ain't Mad Iz Ya
La Chat - A Crumb 2 A Brick
Gangsta Boo - Mask 2 My Face
Gangsta Boo - Don't Stand So Close
Gangsta Boo - Hard Not 2 Kill (feat. DJ Paul)
La Chat - Don't Sang It
La Chat - Da Dope