Was im Sommer 2016 als globaler Hype um süsse Pokémon begann, hat sich als eines der grössten Crowdsourcing-Projekte der Geschichte ausgestellt. Die Entwicklerfirma Niantic hat jahrelang Daten gesammelt, die weit über einfache GPS-Koordinaten hinausgehen. Durch die "Feldforschungs-Aufgaben", bei denen Spieler aufgefordert wurden, Fotos von PokéStops oder Arenen hochzuladen, ist eine Datenbank mit über 30 Milliarden Bildern entstanden.
Wie aktuelle Berichte vom MIT Technology Review und TheGamer zeigen, nutzt Niantic diese Daten nun für kommerzielle Zwecke. Ein prominenter Partner ist «Coco Robotics». Deren autonome Lieferroboter nutzen Niantics Visual Positioning System (VPS). Das Problem herkömmlicher Navigation ist, dass in Städten ein GPS oft ungenau ist(bis zu mehreren Metern Abweichung), was für einen Roboter auf dem Gehweg fatal sein kann. Durch die Milliarden von Nutzerfotos kann die KI von Niantic Standorte auf wenige Zentimeter genau bestimmen, indem sie visuelle Merkmale der Umgebung abgleicht.
Journalistische Stimmen, wie von Kotaku oder TheGamer, betrachten diese Entwicklung kritisch. Niantic wurde letztes Jahr von der saudi-arabischen Firma Scopely übernommen. Damit stellt sich die Frage, wem diese hochpräzisen Weltkarten gehören und wer darauf Zugriff hat. Kritiker sprechen von einem "kapitalistischen Albtraum", da Spieler jahrelang unbezahlte Arbeit geleistet haben, um ein System zu füttern, das nun für Überwachungszwecke oder kommerzielle Monopole genutzt werden könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Pokémon Go war nie nur ein Spiel. Es war ein Werkzeug zur Datenerfassung. Während die Community die technologische Leistung oft mit Humor nimmt, sollte Vorsicht bezüglich der Privatsphäre im öffentlichen Raum gewahrt werden.