Stooszyt

Weg mit Richard Wagner?

Daseinsberechtigung von Statuen im Diskurs

Im Rahmen des BLM-Movements fragt man sich vielerorts, welche Statuen und Denkmäler noch angebracht und erwünscht sind. In Bristol wurde vergangene Woche beispielsweise die Statue von Sklavenhändler Edward Colston abgerissen. Die Debatte gelangt nun auch in die Schweiz. Während sich die Diskussion hierzulande hauptsächlich auf Alfred Escher (Zürich) und David de Pury (Neuenburg) konzentriert, gibt es auch in Luzern ein fragwürdiges Denkmal. 

Richard Wagner

Luzern war während sechs Jahren Richard Wagners Wahlheimat. Er gilt als einer der einflussreichsten Komponisten der europäischen Musik, doch viele in der Wagnerstadt Luzern sind sich dem nationalsozialistischen Hintergrund Wagners nicht bewusst. Wagner war Antisemit, schrieb in einem Brief an König Ludwig II beispielsweise, die jüdische Rasse sei der geborene Feind der Menschheit. Bildhauer Thomas Hunziker nannte ihn im Interview einen "üblen Charakter". Hunziker ist der Künstler, der die Büste vor dem Richard Wagner Museum gemacht hatte. Er erschuf das Werk im Auftrag der schweizerischen Richard Wagner Gesellschaft. Er legte ihnen einige verschiedene Varianten der Skulptur vor (siehe Bilderstrecke), das Gremium der Gesellschaft entschied sich für eine realistische Darstellung Wagners - nicht Hunzikers liebster Entwurf. Ihm war beim Erschaffen der Skulptur wichtig, Wagner nicht heroisiert darzustellen und auch im Kontext der Lokalität - Wagners Wahlheimat und direkt vor dem Museum - kann Hunziker aber sehr gut hinter der Statue stehen.

Wie ist es für einen Bildhauer, wenn sein Werk aus politischen oder aktivistischen Gründen plötzlich entfernt wird? Darüber sprachen wir mit Thomas Hunziker.

Der Schweizer Historiker Hans Fässler sieht der Bewegung positiv entgegen. Der historische Zusammenhang eines Denkmals verändert sich, genau wie die Gesellschaft, immer - deswegen ist es wichtig, Anpassungen an diesen Erinnerungsorten zu machen. Dazu gehört für Fässler auch, dass man gewisse Statuen und Denkmäler entfernt.

Anders sieht das Stefan Gallati, Präsident der Richard Wagner Gesellschaft Schweiz. Es empfindet die aktuelle Diskussion als voreilig, wie er im Interview meinte.

Alle Standpunkte kannst du hier nachhören:



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