Trojaner

Boulevard ≠ Wahrheit ?

Wer kostenlose Schweizer Boulevard- und Pendlerzeitungen digital liest, fragt sich vielleicht - stimmt das wirklich, was da steht?

Die Ombudsstelle vermittelt zwischen dem Publikum sowie von Medienberichten betroffenen Personen und Institutionen und den Redaktionen der jeweiligen Medien. Das heisst, dass die vierte Gewalt in der Schweiz (öffentlichen Medien) ebenfalls kontrolliert wird. Wie genau sieht das aber im Internet und insbesondere auf Social Media aus?

Als ich vor einigen Tagen durch mein Instagram Feed ging wurde ich plötzlich stutzig. Auslöser war eine angeblich neue Mitteilung des BAG (Bundes Amt für Gesundheit) welches in einem Interview gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal "NAU" auf Nachfrage zur Regelung eines One Night Stand auf die Safer Sex Regeln verwies. Genau hiess es laut einer Aussage, Zitat «Das BAG empfiehlt, die Schutzregeln einzuhalten: jene für Safer Sex genauso, wie jene, die uns vor Covid-19 schützen.» Diverse Medien im Inland und Ausland berichteten über diese Antwort von Daniel Dauwalder (Mediensprecher BAG) im Zusammenhang mit dem Verbot von genau diesen One Night Stands in Grossbritannien. Es ist also nun eine Frage der Konstellation der Nachricht, die eine Fehlinterpretation nur so verlangt. Wenn in einer Nachricht von Covid-19 Massnahmen und im gleichen Zug vom Duschen vor einem One Night Stand geschrieben wird, ist es nicht verwunderlich, dass man dies auch in einer eigenen Interpretation zusammen bringt. Wenn aber dann noch eine angeblich echte Grafik im Design des BAG und deren Schutzmassnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 gezeigt wird, ist die Täuschung perfekt. Es entsteht eine ganz neue Nachricht - Den die Bedeutung ist erst durch die Interpretation des Lesers oder der Leserin vollendet.

Ist eine solche Nachricht nun als "falsch" oder "verwirrend" zu bezeichnen und ist eine solche Berichterstattung überhaupt zulässig?

Diese und einige weitere Fragen haben wir heute zusammen mit dem Ombudsmann der Tamedia Ignaz Staub geklärt.

Ein weiteres Problem war der Ort der Publikation. Die vermeintlich echte BAG Grafik wurde nur im Instagram Feed von 20min.ch mit folgender Unterschrift veröffentlicht.

Zitat:

«Das Bundesamt für Gesundheit fordert die Leute in der Corona-Krise dazu auf, vor dem Sex mit einem Unbekannten unter die Dusche zu springen. Das Risiko, sich bei einem One-Night-Stand mit Covid-19 anzustecken, sei gross, sagte das BAG gegenüber «Nau».⁠

Dem widerspricht der Infektiologe Andreas Cerny: Duschen als Schutz vor Corona bringe nichts. «Wenn der Partner Coronavirus-infiziert ist, wird man angesteckt», sagt Cerny. Das Coronavirus übertrage sich nicht über die Haut, die Kleidung oder über die Sexualorgane, sondern über Tröpfchen, so der Infektiologe. «Corona kann man zum Beispiel bei einem Zungenkuss mit einer infizierten Person bekommen.⁠

«Die Aussage, dass man vor einem One-Night-Stand duschen soll, hat mit der allgemeinen Hygiene zu tun», sagt Grégoire Gogniat, Mediensprecher vom BAG, auf Rückfrage von 20 Minuten. Mit Blick auf Corona gehe es um andere Schutzmassnahmen: Distanz, Tragen einer Maske und regelmässiges Händewaschen⁠»

📷 Fotomontage⁠

Das Bild wurde ganz klar als Fotomontage gekennzeichnet aber warum?

Mit Gaudenz Looser Chefredakteur von 20Minuten habe ich über den immer grösser werdenden Unterhaltungsfaktor in Printmedien so wie auf Sozialen Medien gesprochen. Die Fotomontage zeigt laut Looser lediglich die Aussage des BAG Mediensprechers auf, dargestellt als Meme. "Wer dieses Meme als Nachricht interpretiert hat laut seiner Aussage keinen Schaden davon. Die einzige Folge wäre, dass jemand vor einem One Night Stand duscht und das ist ja gut oder?" zudem meint Looser es sei nicht die Aufgabe einer Medienschaffenden Person die Aussage eines Mediensprecher besser darzustellen. Wenn sich Daniel Dauwalder nicht klar ausdrücken will und sagen möchte One Night Stands sind aktuell keine gute Idee, dann ist das sein Problem. Es steckt also mehr als nur ein Meme hinter der Fotomontage. Auch die Nachricht ist nicht als "falsch" zu bezeichnen. Trotzdem ist es verwirrend wenn man Humor oder Memes als Nachrichten tarnt. Über genau dieses Thema haben wir heute im Trojaner mit Gaudenz Looser Chefredakteur von 20Minuten gesprochen.

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