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Incels: Frauenhass der in Gewalt endet

Incels: Was steckt dahinter?

Incels sind junge Männer die unfreiwillig ohne Sex und romantische Beziehungen leben. Einige von ihnen äussern ihre Frustration darüber im Internet. Im Extremfall wird aus dieser Frustration auch reale Gewalt. Das passiert im Jahr 2020, beim ersten Incel-Attentat in der Schweiz. Ein junger Mann fährt im Amriswil, im Kanton Thurgau, mit dem Auto zwei junge Schülerinnen an. Was erst wie ein normaler Unfall aussieht, deckt SRF Investigativ kürzlich als das erste bekannte Incel-Attentat der Schweiz auf.

In der Sendung erfährst du mehr über das Attentat, was hinter der Incel-Ideologie steckt und was für Inhalte du auf Incel Foren findest. Dazu reden wir über die Manosphere, die digitale Welt voller toxischer Männlichkeit und hören die Erfahrungen eines jungen Mannes, der selbst in dieser Bubble war:

Weltbild der Bewegung

Zentral in der Incel-Bewegung ist die sogenannte Black Pill Theorie. Dabei glauben viele Incels, die sogenannte genetische Lotterie verloren zu haben und fühlen sich unattraktiv. Attraktive Frauen, sogenannte Stacys würden sich nur für hypermaskuline Männer, sogenannte «Chads», interessieren. Oft vermischt sich dabei Misogynie mit Rassimus, Antisemitismus und Homo- und Transfeindlichkeit. Viele dieser Incels bewegen sich auf Incel Foren, wo sie sich einerseits über normale Dinge wie Hobbys austauschen aber auch über Frauenhass und Gewaltfantasien.

Sonja Mühlemann, Reporterin von SRF Investigativ war im Rahmen der Recherche zum Incel-Attentat selbst in diesen Foren unterwegs. Dabei hat sie Bilder gesehen von Frauen die geschlagen und vergewaltigt wurden. Besonders schockiert hat sie auch:

«Hier hat einer mit dem Handy eine Frau fotografiert und danach ins Netz gestellt. Er macht dazu eine Abstimmung, wie soll ich sie jetzt vergewaltigen, mit einer Auswahlmöglichkeit für die User.»

Die Recherche in den Incel-Foren ging auch Sonja näher: Denn es könnte ja auch sie treffen, wie sie im Interview erzählt.

Manosphere

Es dauert im Durchschnitt 5 Minuten bis ein 15jähriger Junge auf Tiktok ein Video aus der Manosphere angezeigt bekommt. Das zeigen Untersuchungen von SRF Data. Die Manosphere ist ein Sammelbegriff und nicht zu verwechseln mit Incel-Foren. In der Manosphere sind vor allem junge Männer unterwegs, mit einer Abneigung gegenüber dem Feminismus und der Überzeugung, dass ein Mann hart und diszipliniert sein muss um ein richtiger Mann zu sein. Sandro* war mit 15 selbst in dieser Bubble. Die Manosphere hat seinen Alltag verändert:

«Du hast versucht mehr Sport zu machen, disziplinierter zu sein und weniger auf Insta zu sein.»

Was erst wie gute Vorsätze scheint, haben im Übermass bei Sandro* zu einem Burnout geführt. Er hat immer das Gefühl gehabt, dass er zu wenig mache und nicht gut genug sei. Nach Reaktionen aus seinem Umfeld und Gesprächen mit Psycholog*innen hat Sandro* gemerkt, dass ihm die Videos der Manosphere nicht gut tun. Heute mit 19 Jahren, blickt er auf mit Abstand auf die Zeit zurück: Im Nachhinein hätte es ihm geholfen offener zu sein und mit anderen über seine Probleme zu sprechen.


*Name wurde von der Redaktion geändert

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