Krass Politic

Wie Social Media unsere politische Wahrnehmung formt

Für Jugendliche bilden die sozialen Medien die zweitwichtigste Informationsquelle. Welche Bedeutung hat das für die politische Meinungsbildung, wenn News beim Instascrollen gelesen werden? In der neusten Sendung erklären wir, was News Deprivation, Filterblasen und Echokammern sind. Wir sprechen allgemein darüber, welche Rolle soziale Medien für die Politik spielen, aber auch konkret über die Schweizer Politiklandschaft. Zudem thematisieren wir die Rolle von Techmilliardären, wie politischer Diskurs online geführt wird und welche Macht sie dabei haben, zu steuern, mit welchen Themen wir konfrontiert werden. Wir haben mit Gabriel Hofmann vom Zentrum für Demokratie Aarau gesprochen, um Fragen rund um diese Themen zu klären.

Das alles hörst du in der neusten Sendung Krass Politic:

Politik auf Social Media: Wie wir uns heute Informieren 

Immer mehr Menschen, insbesondere junge, informieren sich heute über soziale Medien über politische Themen. Laut dem jährlich erscheinenden Digital News Report sind soziale Medien mittlerweile die zweitwichtigste Informationsquelle, direkt nach News-Websites. Wie Gabriel Hofmann im Interview betont, ist eine pauschal negative Bewertung von Social Media als Informationsquelle jedoch nicht sinnvoll. Entscheidend ist vielmehr, wie soziale Medien genutzt werden und welche Inhalte dort konsumiert werden. Auf Plattformen finden sich durchaus auch journalistische Angebote und fundierte Informationen. Trotzdem zeigt sich aber: Menschen, die sich nur über soziale Medien informieren und keine klassischen journalistischen Medien wie Zeitungen, Radio oder Fernsehen nutzen, haben im Durchschnitt weniger politisches Wissen. Vor allem Einordnung, Hintergründe und Zusammenhänge gehen dabei häufig verloren.

Filterblasen und Echokammern 

In Debatten über soziale Medien hört man häufig die Begriffe Filterblasen und Echokammern, oft werden sie dabei als Synonyme verwendet. Tatsächlich bezeichnen sie jedoch unterschiedliche Phänomene. Der Begriff Filterblase beschreibt die Vorstellung, dass Nutzer*innen online nur noch mit Inhalten konfrontiert werden, die den eigenen Ansichten entsprechen. Gerade in der Politik gilt dieses Bild als problematisch, weil es kritische Auseinandersetzung und Diskussion erschweren würde. Gabriel Hofmann erklärt im Interview jedoch, dass dieses Konzept aus wissenschaftlicher Sicht so nicht existiert: Für eine rein algorithmisch erzeugte Filterblase gibt es bislang keine überzeugenden Beweise. Anders sieht es aus bei Echokammern. Darunter versteht man (bildlich gesprochen) geschlossene Kommunikationsräume, in denen sich Menschen gezielt mit Gleichgesinnten umgeben. In solchen Räumen werden eigene Meinungen gegenseitig verstärkt (wie ein Echo), während abweichende Perspektiven ausgeblendet oder abgewertet werden. Laut Hofmann sind Echokammern kein theoretisches Konstrukt, sondern existieren tatsächlich. Sie können dazu beitragen, politische Spaltung zu verstärken und Debatten auf sozialen Medien weiter zu polarisieren.

Plattformmacht

Auch wenn Filterblasen als Phänomen aus wissenschaftlicher Sicht so nicht existieren, haben Algorithmen trotzdem einen klaren Einfluss darauf, wie politischer Diskurs auf Social Media geführt wird. Plattformen belohnen Inhalte, die Aufmerksamkeit generieren, da sie profitorientiert sind und Aufmerksamkeit die Verweildauer sowie die Interaktionen auf der Plattform erhöht. Besonders emotionale, vereinfachte oder polarisierende Inhalte erhalten dabei oft die meiste Aufmerksamkeit. Dazu gehören zum Beispiel Posts, die wütend machen, provozieren, stark zuspitzen oder komplexe Themen stark vereinfachen. Weil solche Beiträge viele Reaktionen auslösen, werden sie vom Algorithmus zusätzlich verstärkt und weiter verbreitet. Sachliche Einordnungen oder differenzierte Argumente haben es dagegen oft schwer, eine vergleichbare Reichweite zu erzielen. Diese Plattformlogik ist insbesondere für politische Inhalte problematisch, da vor allem populistische Akteure von diesen Dynamiken profitieren können. Als Beispiel lässt sich die AfD in Deutschland nennen. Ihre Social-Media-Inhalte sind oft sehr stark emotionalisiert, vereinfachend, nicht differenziert und polarisierend. Diese Posts generieren viel Aufmerksamkeit, auch kritische Reaktionen erhöhen dabei die Interaktion, was insgesamt dazu führt, dass der Algorithmus diese Inhalte weiter pusht und verbreitet.

Diese Algorithmen existieren jedoch nicht einfach unabhängig, sondern werden von mächtigen Techkonzernen gezielt entwickelt und gestaltet. Die grossen Social Media Plattformen gehören wenigen Unternehmen oder Einzelpersonen, die über Regeln, Moderation und darüber entscheiden, welche Inhalte sichtbar sind und welche nicht. Damit liegt enorme Macht in den Händen weniger sehr mächtiger Akteure, die mit ihren Technologien und ihrem Kapital demokratische Prozesse beeinflussen können und dies auch gezielt tun. Wie The Guardian berichtet, soll Elon Musk beispielsweise den Algorithmus so angepasst haben, dass seine eigenen Beiträge bis zu 1000x häufiger ausgespielt werden.

Wenn du gerne wissen willst, wie Social Media in der Schweizer Politiklandschaft genutzt wird, dann hör die neuste Sendung Krass Politic.

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