Sprechstunde

Der Durchschnitt war nicht genug

09.02.2017

"Wir wollten beide hoch hinaus, irgendwohin fliegen, wo uns niemand folgen könnte. Bis mit den Ansprüchen des Lebens die Angst kam, nicht zu genügen." - sagt Ivo Zen, Regisseur von "Zaunkönig", welcher aktuell im stattkino zu sehen ist. Mit seinem neusten Film erzählt Ivo die Geschichte seiner Generation in den 90er Jahren. Eine Geschichte von Freundschaft, Sehnsucht und vom Drogenrausch.

Sein Freund Martin zelebrierte seinen Drogenkonsum exzessiv. Dabei beobachtete er sich selbst und hielt sein schillerndes Leben in Tagebüchern fest. Und Ivo filmte alles, was sich bewegte. Beide waren unzufrieden mit der Welt und wollten das Absolute, denn der Durchschnitt war ihnen nicht genug. Mit 34 Jahren, im Jahre 2005, ist Martin an seiner Drogenabhängigkeit gestorben. Seine Mutter bekommt alle Tagebücher mit seinen Gedanken, in einer wundervollen und genau beschreibenden Sprache verpackt.

"Vielleicht täte es mir doch gut, wieder mal eine Freundin zu haben, sei es auch nur eine kurze unglückliche Liebe, wie ich es meistens erlebt habe. Auch eine unglückliche Liebe hilft, die Liebe im eigenen Herzen zu bewahren. Im Übrigen ist der Liebespartner ein Spiegel für den Liebenden selbst. Wer nie in einen Spiegel blicken kann, wird sich ein immer abweichenderes Bild seiner selbst machen und die Veränderungen in seinen Zügen nicht beachten." (Aus Martins Tagebuch vom 28. Januar 2001).

Ivo Zen verfilmte die Tagebücher von Martin - damals "Zaunkönig" genannt - und ihre Freundschaft. Der Regisseur war in der Sprechstunde bei Aline zu Besuch und hat von seinen Film erzählt: Über seine Freundschaft zu Martin und über den Ausbruch aus der nüchternen Welt, welcher für jede Jugend ein Muss sei.

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