Triggerwarnung: Sexualisierte Gewalt, Fluchterfahrungen, Gewalt, Kriegsverbrechen
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Seit fast drei Jahren herrscht im Sudan Krieg. Das sudanesische Militär SAF und die paramilitärische Miliz RSF führen einen brutalen Krieg gegeneinander. Es herrscht die grösste humanitäre Krise der Welt. Trotzdem erhält dieser Krieg international nur wenig Aufmerksamkeit. Laut Angaben der UN benötigten im Januar 2026 schätzungsweise 34 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Im Vergleich zur sudanesischen Gesamtbevölkerung sind das etwa zwei Drittel der Menschen. Wir konnten ein Interview mit dem Mediensprecher von UNICEF Schweiz und Liechtenstein, Jürg Keim, führen. Er besuchte im vergangenen Jahr im Tschad, an der Grenze zum Sudan, ein sudanesisches Flüchtlingslager.
Was er zur humanitären Lage vor Ort sagt, welche Begegnungen er hatte, was ihm Menschen über ihre Flucht berichteten und vor welchen Herausforderungen Hilfsorganisationen stehen und vieles mehr hörst du in der neuesten Sendung Krass Politic:
Aktuelle Lage
Seit Mitte April führen die Armeeeinheiten Sudanese Armed Forces (kurz SAF) und die paramilitärische Miliz Rapid Support Forces (kurz RSF) einen blutigen Krieg gegeneinander, vor allem auf dem Rücken der Zivilbevölkerung. Ein Grund dafür, dass dieser Krieg so geführt werden kann, ist die Beteiligung anderer Staaten. Diese unterstützen die Kriegsparteien aufgrund eigener geopolitischer Interessen, unter anderem im Zusammenhang mit Gold, Öl und Gummi arabicum. Bisher ausgehandelte Waffenruhen wurden mehrfach von beiden Kriegsparteien gebrochen. Stand Januar befanden sich laut Berichten des UNHCR fast zwölf Millionen Menschen auf der Flucht. Ende Oktober 2025 nahm die RSF nach monatelanger Belagerung die sudanesische Stadt Al-Faschir im Westen des Sudans in der Region Darfur ein. Zeug*innen berichten von Massakern, Vergewaltigungen und Entführungen. Die nicht-arabische Zivilbevölkerung, also afrikanische ethnische Gruppen, wird seit Ausbruch des Krieges gezielt von der RSF verfolgt und ermordet. Rassismus spielt dabei eine zentrale Rolle. Ethnische Säuberungen sowie Angriffe auf Wohngebiete, Spitäler und Flüchtlingslager wurden dokumentiert. Expert*innen warnen vor einem Genozid. Die RSF agiert wie eine Guerillatruppe, die sich in städtischen Gebieten versteckt und sehr mobil ist. Den SAF hingegen fehlen genügend Bodentruppen, um die RSF in den Städten zu bekämpfen. Deshalb setzt die Armee stark auf ihre Überlegenheit in der Luft. Die SAF greift Stellungen der RSF aus der Luft und mit Panzern an. Die Kämpfe finden mitten in Wohngebieten statt, weshalb Bomben immer wieder Wohnhäuser, Märkte und Spitäler treffen.
Es handelt sich um einen komplexen Krieg. Es gibt kein klares „Gut gegen Böse“, denn beide Kriegsparteien verletzen wiederholt das Völkerrecht und die Menschenrechte massiv und tragen diesen Krieg vor allem auf dem Rücken der leidenden Zivilbevölkerung aus.
«Die Lage im Sudan ist dramatisch,... es ist wirklich Katastrophal» - Jürg Keim
Multiple Krise
Bei diesem Krieg handelt es sich um eine multiple Krise, betont Jürg Keim im Interview. Die humanitäre Lage im Sudan ist katastrophal. Besonders Kinder und Frauen leiden unter der Brutalität des Krieges. Frauen und Mädchen sind massiv von systematischer sexualisierter Gewalt betroffen, die von beiden Kriegsparteien ausgeübt wird. Laut UN-Angaben waren zu Beginn des Jahres etwa 34 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, und 21 Millionen Menschen sind von akutem Hunger bedroht. Auch die Bildung ist ein grosses Problem. Viele Kinder können wegen des Krieges seit mehreren Jahren nicht mehr in die Schule gehen. Für Mädchen besteht die Gefahr, dass sie in sehr jungem Alter zwangsverheiratet werden, während Jungen zwangsrekrutiert werden. Gleichzeitig ist die Lage im Sudan auch eine Sicherheitskrise, die Menschen sind nirgends wirklich sicher. Auch das Gesundheitssystem ist stark betroffen. Greenpeace spricht zudem von einer ökologischen Krise, da der Krieg zu verstärkter Waldzerstörung und einer Verschlechterung der Luftqualität geführt hat. Das schadet sowohl der Umwelt als auch der Bevölkerung.
Es wird also deutlich, die Not ist riesig und die Dringlichkeit nach Hilfe auch.
«Egal wo man in dem Flüchtlingslager war, jedes Kind konnte mir eine schreckliche Geschichte Erzählen und hat Sachen gesehen die es nicht hätte sehen sollen, nicht hätte erleben sollen» - Jürg Keim
Mehr Hintergrundinformationen, spannende Auszüge aus dem Interview mit Jürg Keim und weitere Einordnungen hörst du in der neuesten Sendung Krass Politic.