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Warum sich Rassismus nicht wegtherapieren lässt

Rassismus. Ein ekliges Denken, das sich in unseren Köpfen festgefressen hat. Ein unerklärbares mentales Phänomen, an dem wir uns den Rest unseres Lebens die Zähne ausbeissen werden, um es abzutrainieren. Aber tatsächlich ist diese Vorstellung gefährlich irreführend. Rassismus hat sich in so viel mehr als nur in unseren Köpfen festgefressen. Doch warum handeln wir so, als ob es nur das wäre?

Cenk Akdoganbulut ist Historiker und hat sich auf (Anti-)rassistische Dynamiken und Rechtsextremismus in der Schweiz spezialisiert. Er stellt einen Widerspruch in der Gesellschaft fest: Wir sprechen häufig von Rassismus als «strukturelles» Problem, behandeln ihn aber nicht wie eines.

«Verschiebt sich die Vermögensungleichheit plötzlich, nur weil Menschen etwas weniger rassistisch denken?»


Mehr Diversität auf Werbeplakaten und Workshops zu Rassismus sind toll. Ändern tut sich gleichzeitig nichts daran, dass häufig Menschen mit Migrationserfahrung in Sektoren mit tiefen Löhnen arbeiten. Ändern tut sich auch nichts daran, wer im Mittelmeer ertrinkt und wer dort schlicht Bier trinkt. Häufig wird korrekt erkannt, dass Rassismus ein strukturelles Problem ist, das auf Machtgefällen beruht. Doch Macht kann nicht einfach wegtrainiert werden. Macht kann nicht wegtherapiert werden. Und Macht kann nicht verlernt werden.

Cenk Akdoganbulut meint, dass wenn sich Machtverhältnisse ändern sollen, dann müssen sich nicht nur mentale Dinge ändern, sondern auch materielle. Denn auf materieller Ebene gibt es noch ein weiteres Problem, erklärt der Historiker:

«Es wird eine Wahrnehmung geschaffen, in der ein «wir» gegen ein «ihr» in Stellung gebracht wird.»


Dieses Othering (wir gegen die) funktioniert nicht einfach, weil die Bevölkerung dumm wäre oder aus «Hinterwäldler*innen» bestünde. Das Othering funktioniert, weil in vielen Teilen der Bevölkerung echte ökonomische, sprich materielle, Ängste vorhanden sind. Und genau diese können durch rechtspopulistische Parteien ausgenutzt werden.

«James Schwarzenbach hat offen zugegeben, dass er ökonomische Fragen nationalisiert und ethnisiert hat. Das sei sein Erfolgsrezept gewesen.»


Mit solchen Strategien wurden Klassenkämpfe zu Kämpfen von «wir Schweizer*innen gegen die Anderen» umgeformt. Das Beispiel macht einmal mehr klar: Wenn die materielle, ökonomische Ebene unseres Systems als unwichtig abgetan wird, öffnet dies die Tür für rechtspopulistische Strategien. Ein starker Antirassismus bedarf mehr als nur Bildungsarbeit. Er braucht soziale Kämpfe. Kämpfe, die verbinden. Kämpfe, die sich trauen, politisch zu sein.

Doch wie sollen solche Kämpfe aussehen? Was hat der Neoliberalismus (in der Sendung der Einfachheit halber "Kapitalismus") damit zu tun? Und wieso laufen antirassistische Bewegungen in Gefahr, vom System geschluckt zu werden? Das alles erfährst du im ganzen Podcast unten.

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